3 Schreibübungen bei Überforderung

Wenn alles zu viel wird, kommen wir nur schwer durch den Tag. Dabei sind Auslöser für Überforderung ganz unterschiedlich. Man kann also nicht so einfach sagen, was wen wann überfordert. Die folgenden Schreibübungen sind daher Beispiele für Situationen, in denen das Gehirn einfach nur blockiert. Sie sollen dir eine Hilfe sein, die du ausprobieren kannst, wenn du dich überfordert fühlst.



1. Schreibübung: Überforderung auf der Arbeit

Die Situation

Du sitzt im Büro und deine Todo-Liste ist ohnehin schon viel zu lang. Dann kommt dein:e Vorgesetzte:r und überträgt dir auch noch die Erstellung des Jahresberichts. Uff!

Die Option, Nein zu sagen, gibt es gefühlt nicht, weil für deine:n Vorgesetzte:n vor allem Leistung zählt. Und du? Du bist schon so gestresst und überfordert, dass dir die Tränen in die Augen schießen beim Gedanken an die scheinbar unendliche Liste an Aufgaben.

Die Übung

Schreibe 5 Minuten lang auf, was dir durch den Kopf geht: Wut, Verzweiflung, Verwünschungen und den Traum, alles hinzuschmeißen - lass es raus. Versuche, wirklich 5 Minuten lang am Stück zu schreiben. Setze nicht ab und schreibe immer den nächsten Gedanken direkt auf. Das Notierte muss keinen Sinn machen, darf Fehler und schlechte Grammatik beinhalten.


Hinweis: Normalerweise ist es dir überlassen, ob du mit Stift und Papier schreibst oder dir Notizen ins Handy machst. In diesem Fall würde ich dir aber tatsächlich das Handy empfehlen. Zum einen kannst du dich mit ihm einfach in den Pausenraum, nach draußen oder auf die Toilette zurückziehen, ohne das jemand etwas merkt. Zum anderen kann so nicht aus Versehen ein:e Kolleg:in oder gar Chef:in das Geschriebene finden.


Der Kontext

Überforderung und starke Emotionen am Arbeitsplatz ist völlig normal, wird in unserer Gesellschaft aber selten offen thematisiert. Eine Umfrage von Monster ergab laut faz, dass von 30.000 befragten Männern* und Frauen* etwa 50 Prozent während der Arbeit schon mal geweint hätten. Grund dafür wäre bei 45 Prozent ein Konflikt mit dem:der Chef:in oder Kolleg:innen. 16 Prozent weinten aufgrund der Arbeitsbelastung.


2. Schreibübung: Überforderung bei Entscheidungen

Die Situation

Du bist auf dem Heimweg von der Arbeit und eine Freundin sagt, dass sie noch mit Bekannten unterwegs ist. Sie fragt, ob du auch noch dazu kommst. Deine Energie und deine Laune sind eigentlich im Keller. Du hast dich heute Abend eher auf der Couch gesehen. Auf der anderen Seite hattest du wegen vieler Überstunden nicht viel Freizeit und es kommt in dir der Gedanke auf, dass du auch mal etwas anderes tun solltest, als zur Arbeit zu gehen. Und jetzt schwankst du während der ganzen Heimfahrt gedanklich hin und her zwischen Ausgehen und auf der Couch bleiben.


Die Übung

1. Komm zu Hause an, trink einen Schluck und setze dich dann mit etwas zum Schreiben hin. Schreibe je 2,5 Minuten zu folgendem Satzanfang, was dir einfällt: "Ich bleibe heute zu Hause und ..." & "Ich gehe heute aus und ..." 2. Lege das Notierte nun zur Seite und schließe für 1 Minute die Augen. Lasse dabei mögliche Gedanken einfach vorbei ziehen und versuche, dich auf dich zu konzentrieren.

3. Lies nun nochmals die beiden Texte durch und schreibe erneut je 2,5 Minuten zu folgenden Satzanfängen: "Ich bleibe heute nicht zu Hause und ..." & "Ich gehe heute nicht aus und ..." 4. Lege das Notierte wieder zur Seite. Schließe die Augen und zähle langsam von zehn runter und triff dann deine Entscheidung.


Der Kontext

Wenn wir wegen Überforderung Probleme haben, Entscheidungen zu treffen, kann das daran liegen, dass wir uns nicht ausreichend mit den Details der Optionen beschäftigt haben. Also was genau steckt denn hinter diesem oder jenem Wunsch. Vielmehr findet oft eine vorschnelle Verknüpfung zwischen deinen möglichen Plänen und einem gesellschaftlichen Bild statt: "Wer aus geht, führt ein aufregendes Leben; Wer zu Hause bleibt, ist langweilig und verpasst was." Sind zu viele Optionen Auslöser für die Überforderung, nennt man das laut Deutschlandfunk Nova übrigens Overchoice-Effekt.


3. Schreibübung: Überfordert im Alltag

Die Situation

Du starrst gefühlt schon zehn Minuten in den Spiegel. Eigentlich wolltest du duschen gehen. Dann einkaufen. Das Rezept bei der Ärztin abholen. Schnell noch was für die Mittagspause besorgen. Außerdem hast du seit Tagen auf drei Messanger-Nachrichten und vier Anrufe nicht geantwortet. Und dann müsstest du eigentlich schon im Büro am Schreibtisch sitzen. Und du kommst einfach nicht in die Gänge. Die Welt um dich herum ist schnell und viel - und du brauchst für alles viel zu lange.


Die Übung

Schreibe 5 Minuten lang auf, was dir zur Frage "Was steht heute an?" einfällt. Nutze dafür aber die dritte Person, um über dich zu sprechen. Also anstatt "Ich muss heute ..." schreibst du "[Dein Name] muss heute ...". Sind die fünf Minuten vorüber, notiere eine Skala von 1 bis 10 unter deinen Text und lege ihn zur Seite. Blicke am Abend erneut auf das Geschriebene und kreuze an, wie sehr deine Vorstellung vom Tag mit der Realität übereinstimmt. Dabei steht 1 für "stimmt überhaupt nicht überein" und 10 für "stimmt völlig überein".

Skala, um zu prüfen, wie sehr dein echter Tag mit dem in deiner Vorstellung übereinstimmt.

Der Kontext

In der Literaturwissenschaft unterscheidet man verschiedene Erzählinstanzen. Die kennst du eventuell noch aus der Schule als Ich-, Du und Er/Sie-Erzähler. Diese Instanzen schaffen auf verschiedene Weise Nähe und Distanz beim Lesen eines Textes. Beim Ich fühlen wir uns nah dran, beim Er/Sie blicken wir eher von oben auf eine Situation. Das ist natürlich vereinfacht dargestellt, denn es gibt verschiedene Theorien zur Erzählperspektive in der Literatur. In Momenten der Überforderung kannst du dir diesen Perspektivwechsel vom Ich aufs Er/Sie zu nutze machen, um eine Situation von außen zu betrachten und dadurch auch ein wenig Abstand zu gewinnen.