Sich selbst verzeihen

Jede:r macht mal Fehler. Verzeihen ist ein wesentlicher Teil im Verarbeitungsprozess dieser. Betrifft das eigene Fehlverhalten andere, kann man diese um Verzeihung bitten. Aber wie sieht das eigentlich aus, wenn man sich selbst verzeihen will?


Sich selbst verzeihen: Was bedeutet das?

Der Prozess des um Vergebungbittens und des Vergebens ist wichtig für die Verarbeitung von Erlebnissen. Es gibt also immer zwei Seiten: Eine, die um Verzeihung gebeten wird und verzeiht; und eine, die um Verzeihung bittet und dann Erleichterung empfindet. Dann ist oft die Rede davon, dass dieser Person ein Stein vom Herzen oder eine Last von der Seele fällt.


Verzeihen heißt allerdings nicht zwangsläufig vergessen: Das gilt sowohl für dich selbst als auch für andere. Verzeihung bedeutet, aus deinem Fehlverhalten zu lernen, mit sich selbst Mitgefühl zu haben und in der nächsten Situation anders zu reagieren bzw, dafür zu sorgen, dass die Situation nicht noch einmal stattfindet.


Fehler, die man sich verzeihen sollte

Indem du dir selbst verzeihst, kannst du zur Ruhe kommen. Nehmen wir an, eine gute Freundin fragt dich, ob du mit ihr zu einem teuren Konzert kommen möchtest. Du verdienst allerdings nicht so viel wie deine Freundin und du möchtest dein hart verdientes Geld nicht für das Konzert ausgeben. So offen sagen, willst du das aber auch nicht und erfindest eine Lüge: Schade, genau an diesem Tag gibt es schon einen Termin!


Im Nachhinein schämst du dich aber ein wenig. Du hast das Gefühl, nicht zu dir selbst gestanden zu haben. Außerdem bereust du, nicht ehrlich zu deiner Freundin gewesen zu sein und zu sehen, ob eure Freundschaft auch finanzielle Unterschiede aushalten kann.


Warum es wichtig ist, sich auch schwere Fehler zu verzeihen

Das ist natürlich alles unschön und stresst oft auch ein wenig. Ändern kannst du daran dann nichts mehr. Du kannst dir dein Verhalten aber verzeihen und dir vornehmen, beim nächsten Mal anders zu handeln. Aber dafür ist das Vergeben essenziell. Warum erklärt die AOK in einem Beitrag: "Wir sind so angelegt, dass sich unser Gehirn beziehungsweise manchmal auch nur unser Körper immer wieder melden und sich Geschehenes immer wieder in Erinnerung rufen."

Außerdem zeigen laut Spektrum verschiedene Studien, dass Menschen, die sich selbst verzeihen können, besser gegen Stress gewappnet seien.


Sich selbst verzeihen

Hast du also etwas getan, wofür du dir selbst verzeihen willst, musst du sozusagen beide Rollen übernehmen: die der verzeihenden und die der um Verzeihung bittenden Person. Wichtig ist dabei, dir diese Positionen einmal deutlich vor Augen zu führen. Denn hast du dich zum Beispiel dir gegenüber falsch verhalten, indem du nicht für deine Überzeugungen eingestanden bist, musst du auch dich aktiv um Verzeihung bitten. Sich selbst zu verzeihen verdient ebenso einen kurzen Moment Aufmerksamkeit. Du würdest ja auch nicht einen Freund oder eine Freundin im Vorbeigehen um Verzeihung bitten oder? Nimm dir also ein paar Minuten für dich und probiere eine dieser Übungen aus:


In einem Brief um Verzeihung bitten

Einer der Klassiker. Schreib einen Brief mit entschuldigenden Worten. Adressiert an dich, an ein "Du" oder an ein sogenanntes Alter Ego. Das kann beispielsweise ein Spitzname aus Schulzeiten oder der Name sein, den du benutzt, wenn du dich im Internet bewegst. Irgendwas, wovon du dich angesprochen fühlst. Schreibe deine Entschuldigung auf und stecke den Brief in einen Umschlag. Versiegle den Umschlag und lege ihn weg,


Sag Sorry in den Spiegel

Zugegeben, das klingt erst einmal komisch, aber du kannst auch einfach dein Spiegelbild um Verzeihung bitten. Sorge dafür, dass du ungestört bist. Stelle dich vor den Spiegel und erkläre dir selbst, warum dir dein Verhalten Leid tut. Du kannst auch nochmals reflektieren, warum du dich verhalten hast, wie du es hast und warum das falsch war.


Was, wenn du dir nicht verzeihen kannst?

Manchmal ist es nicht so leicht, sich oder auch anderen zu verzeihen. Da kannst du dir noch so viele Briefe schreiben und an dem schlechten Gefühl im Bauch ändert sich einfach nichts. Aber du musst nicht jede Verzeihung alleine bewältigen. Wenn dich Fehler und fehlerhaftes Verhalten lange beschäftigen, solltest du einen Psychologen oder eine Psychologin aufsuchen. In einer Probesitzung könnt ihr gemeinsam klären, inwiefern dir eine Therapie helfen kann - oder ob du vielleicht sogar schon in der sogenannten probatorischen Sitzung dein Problem lösen kannst.



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